Glossar zu Begriffen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt

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Die hier besprochenen Begriffe sind – wie die Gefühle, Lebensweisen, Praktiken und politischen Diskurse, aus denen sie entstanden sind – im Fluss und oft auch umkämpft und mit diskriminierenden und verletzenden Erfahrungen aufgeladen. Ein Glossar kann dieser Tatsache nur begrenzt gerecht werden, daher lohnen sich weitere Recherchen zu jedem der besprochenen Begriffe und den dahinter liegenden Debatten.

Wir freuen uns über Anmerkungen und Feedback unter: interventionen@dissens.de

Agender: Menschen, die sich mit gar keinem Geschlecht identifizieren, die zum Beispiel Geschlechtsidentität als für die eigene Identität irrelevant begreifen. Agender ist eine Variante genderqueerer bzw. nicht-binärer Identifikation.

Allosexismus: Die Privilegierung von Menschen, die in einem für ihren Kontext mindestens als durchschnittlich geltendem Maße andere sexuell begehren (vgl. allosexuell, z-sexuell). Die Diskriminierung von asexuellen, demisexuellen und graysexuellen Menschen.

Allosexuell/alloromantisch: Menschen, die andere Menschen in einem Maße sexuell begehren (allosexuell) bzw. romantische Anziehung zu ihnen entwickeln (alloromantisch), das mindestens als durchschnittlich in der jeweiligen Gesellschaft gilt. Neuere Alternativen sind die Bezeichnungen z-sexuell/zsexuell/z-romantisch/zromantisch. Vgl. auch asexuell, amouröse Orientierung, amouröse Vielfalt, aromantisch, demisexuell/demiromantisch, graysexuell/grayromantisch und sexuelle Orientierung.

Amatonormativität: Die Norm, sich in einem mindestens gesellschaftlich als durchschnittlich geltenden Maße zu verlieben und romantische Beziehungen zu führen oder anzustreben.

Amouröse Orientierung (auch romantische Orientierung)drückt aus, auf welches Geschlecht bzw. welche Geschlechter sich Verliebtheits-, Liebes- und Romantikgefühle richten (z.B. hetero-romantisch, homo-romantisch, bi-romantisch, pan-romantisch etc.) oder auch, dass kein amouröses/romantisches Begehren vorhanden ist (aromantisch). Dieser Begriff ist als Ergänzung zum Begriff der sexuellen Orientierung gemeint, um Fragen von Verlieben und Bindung differenziert von sexuellem Begehren zu thematisieren, ohne asexuelle Menschen auszuschließen.

Amouröse Vielfalt: drückt aus, dass sich Verlieben, Liebe und Romantik auf verschiedene Geschlechter richten können (z.B. queer-romantisch, hetero-romantisch etc.). Des Weiteren können je nach Kontext folgende Aspekte unter amouröse Vielfalt gefasst werden: sich verlieben oder sich nicht verlieben (vgl. alloromantisch, aromantisch, demiromantisch, grayromantisch, z-romantisch), amouröse Bindungen eingehen oder keine amourösen Bindungen eingehen, amouröse Bindungen mit einer oder mit mehreren Personen eingehen (vgl. Monogamie, serielle Monogamie, offene Beziehung, Polyamorie) und weitere Präferenzen und Praxen, die mit Liebe bzw. Verlieben verbunden sind.

Androromantisch: Sich romantisch zu Männern hingezogen fühlen – unabhängig vom eigenen Geschlecht.

Androzentrismus (von altgriechisch andras = der Mann): Gesellschaftsform, die Männer und das, was als männlich definiert wird, ins Zentrum stellt und beispielsweise in Bezug auf beruflichen Erfolg, den Zugang zu Macht und Status oder wirtschaftlicher Unabhängigkeit sowie Respekt und Ernstgenommen-Werden privilegiert (z.B. einerseits Durchsetzungsfähigkeit, Autonomie, technische Berufe, Literatur, blau als normale Farbe vs. andererseits Harmonie, Bindungsorientierung, Fürsorgetätigkeiten, ‚Frauen-Literatur‘, rosa als Mädchen-Farbe etc.).

Aromantisch: Menschen, die keine romantische Anziehung zu anderen Menschen empfinden. Vgl. auch alloromantisch, amouröse Orientierung, amouröse Vielfalt, demiromantisch, grayromantisch. Weitere Infos unter: http://asexyqueer.blogsport.de/ueber-asexualiaet/ und unter https://aktivista.net/.

Asexuell: Menschen, die kein sexuelles Begehren für andere haben bzw. keinen Sex mit anderen wollen. Asexuelle Menschen können aromantisch sein oder romantische Bindungen leben bzw. sie sich wünschen. Hierfür werden Begriffe wie heteroromantisch, homoromantisch, biromantisch, panromantisch, queerromantisch und viele weitere verwendet, je nachdem welche Geschlechter die Personen haben, mit denen Bindungen gelebt werden. Manche asexuellen Menschen haben Solo-Sex (also Sex mit sich selbst), manche haben gar kein sexuelles Begehren. Manche asexuellen Menschen haben keinen Sex, andere haben Sex z.B. mit einer*einem Partner*in, der*dem sie etwas Gutes tun oder den*die sie nicht enttäuschen wollen, um Kinder zu bekommen oder weil sie Sex-Arbeit machen. Es geht hier also nicht um sexuelle Praxis, Zölibat, keinen Sex vor der Ehe oder Ähnliches, sondern um die Abwesenheit sexuellen Begehrens für andere. Vgl. auch allosexuell/alloromantisch, amouröse Orientierung, amouröse Vielfalt, aromantisch, demisexuell/demiromantisch, graysexuell/grayromantisch und sexuelle Orientierung. Weitere Infos unter: http://asexyqueer.blogsport.de/ueber-asexualiaet/ und unter https://aktivista.net/.

BDSM: Abkürzung für Bondage, Dominanz und Submission, Sadismus und Masochismus.

  • Bondage: konsensuelle Spiele mit Restriktion bzw. Fesseln.
  • Dominanz und Submission (auch: Dominanz und Unterwerfung bzw. Devotheit oder D/S bzw. D/s): konsensuelle Spiele mit Machtgefällen.
  • Sadismus und Masochismus (kurz: SM): konsensuelle Spiele mit Lustschmerz:
    • Sadismus: Lustschmerz zufügen.
    • Masochismus: Lustschmerz empfangen.
  • Zum Teil wird SM auch als Überbegriff für alles genommen, was hier als BDSM oder Kink. Dies geht auf die historischen Pathologisierung all dieser Praktiken als Sadomasochismus zurück (unter Bezug auf die Texte des Marquis de Sade und von Leopold von Sacher-Masoch). Insbesondere bei älteren Generationen der Communities sind die Begriffe Sadomasochismus und SM als Überbegriff weiterhin üblich, während vor allem Teile der etwas jüngeren Generationen einerseits den pathologisierenden Kontext des Begriffs Sadomasochismus ablehnen. Die Aufteilung in B, D/s und SM soll die Vielfältigkeit innerhalb des Spektrums betonen, unter anderem dass eine Person nicht gleichzeitig auf Bondage, D/S und SM stehen muss, sondern dass es hier differenziert herauszufinden gilt, wer was mag und unter welchen Umständen etc.

Nicht im Buchstabenkürzel enthalten, aber oft mitgemeint, sind auch:

  • Fetischismus: meint meist die Erotisierung/Sexualisierung bestimmter Materialien wie z.B. Latex, Leder oder Nylon oder auch bestimmter Körperteile, z.B. Füße. (Wir beziehen uns hier auf den Sprachgebrauch innerhalb der Communities, nicht auf klinische Pathologisierungen.)
  • Petplay: Rollenspiele, bei denen sich mindestens eine Person mit einem Tier identifiziert, sehr häufig Hunde oder Pferde (ponyplay), aber auch Katzen, Füchse etc.
  • Age Play: Rollenspiele, bei denen mindestens eine Person ein anderes Alter annimmt, meist mit mindestens einer Person in einer Kinder-/Jugend- und einer in einer Erwachsenenrolle.
  • Gender Play: Rollenspiele, bei denen mindestens eine Person mit Geschlecht und Geschlechterrollen spielt (nicht zu verwechseln mit Transgeschlechtlichkeit, wo es um eine grundsätzliche geschlechtliche Identifizierung und nicht um Rollenspiele geht).
  • Exhibitionismus: Die Lust daran, sich anderen Menschen (mit deren Konsens) nackt oder beim Sex zu zeigen.
  • Voyeurismus: Die Lust daran, anderen Menschen (mit deren Konsens) beim Sex oder beim Nackt-Sein zuzuschauen.

All diese und weitere Spielarten werden auch im deutschsprachigen Raum zunehmend unter Kink bzw. dem Adjektiv kinky zusammengefasst. Der Gegenbegriff dazu ist Vanilla.

BDSM kann als sexuelle Praxis empfunden werden oder als etwas anderes/drittes neben Sexualität und Zärtlichkeit. Manche asexuelle Menschen mögen BDSM, aber beschreiben es für sich als nicht sexuell.

Manche kinky Menschen begreifen Kink/BDSM als Praxis. Für andere ist BDSM/Kink ein wichtiger Bestandteil ihrer Identität und zum Beispiel entscheidend für ihre Partner*innenwahl. Manche beschreiben daher BDSM/Kink als sexuelle Orientierung. Aus unserer Sicht kann der Begriff ‚sexuelle Neigung‘ kinky Identitäten ebenfalls gut fassen und vermeidet dabei die Gleichsetzung zu sexuellen Orientierungen. Dabei können kinky Menschen selbstverständlich alle sexuellen und romantischen Orientierungen haben. Manche ergänzen dazu eine kinky Orientierung, um zu beschreiben, zu welchem Geschlecht/welchen Geschlechtern sie sich in Bezug auf Kink hingezogen fühlen.

In BDSM-Communities wird viel Wert auf Konsens gelegt und es besteht oft viel Übung im und kritische Auseinandersetzung zum Kommunizieren über Wünsche und Grenzen. Die beschriebenen Spielarten fallen nur unter der Bedingung von Konsens unter die Überbegriffe BDSM bzw. Kink. Handlungen im Kontext von Fesselung, Schmerz, Unterwerfung/Demütigung, Exhibitionismus und Voyeurismus etc., die an anderen Menschen ohne deren Einwilligung vollzogen werden, sind als Gewalt bzw. Übergriff zu werten. Wie in allen Lebensbereichen gibt es auch in kinky Communities Menschen, die übergriffig sind.

Vertiefende Infos zu BDSM von und für Jugendliche und junge Erwachsene: https://www.smjg.org/.

Bi-Feindlichkeit: Diskriminierung von Personen, die sich als bisexuell definieren oder von anderen so gelesen werden. Aspekte von Bi-Feindlichkeit sind einerseits die Unsichtbarkeit von Bisexuellen und andererseits Zuschreibungen, Bisexualität sei lediglich eine Vorstufe zur Homosexualität, Bisexuelle könnten sich nicht entscheiden, seien Heterosexuelle, die nur experimentieren wollen, seien Schwule/Lesben, die ihre Homosexualität nicht anerkennen würden, oder seien nicht in der Lage, monogame Zweierbeziehungen zu führen. Weitere Begriffe: Biphobie, Monosexismus.

Bisexualität/Bi-Romantik: Eine sexuelle bzw. amouröse Orientierung, die sich auf Personen mindestens zweier Geschlechter bezieht. Manche Bisexuelle interessieren sich für Männer und Frauen, manche für Menschen aller Geschlechter. Begriffsdiskussion: Manche Bi-Aktivist*innen empfinden es als entsolidarisierend, wenn Pansexualität/Pan-Romantik als Gegenbegriffe zu Bisexualität aufgemacht werden, und damit nahegelegt wird, ‚bi‘ sei begrenzt auf Männer und Frauen. Sie halten dagegen, dass der Begriff historisch bedingt ist, aber auf eine Bewegungsgeschichte zurückgeht, die nicht einfach aufgegeben werden sollte.

Butch: Der Begriff kommt aus lesbischen Kontexten. Er bezieht sich unter anderem auf stilistische Fragen und meint in der Regel ein Auftreten, das sich stärker männlich konnotierter Stilmittel bedient. Butch kann auch eine Identität beschreiben, die entweder gleichzeitig mit einer anderen Geschlechtsidentität existiert (z.B. Butch und Frau) oder aber die primäre Identität einer Person ist. Butch wird häufig als Gegenpol zu Femme verwendet.

Cis-Frau: Eine erwachsene Person, die sich als Frau fühlt und der bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde, weil ihre Genitalien als weiblich interpretiert wurden.

Cis-geschlechtlich/cisgeschlechtlich/cis-gender: Bei cis-geschlechtlichen Menschen entspricht die Geschlechtsidentität dem Geschlecht, das ihnen bei ihrer Geburt auf Grundlage der gesellschaftlichen Einordnung ihrer Genitalien zugewiesen wurde.

Cis-Junge: Ein Kind bzw. Jugendlicher, der sich als Junge fühlt und dem bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde, weil seine Genitalien als männlich interpretiert wurden.

Cis-Mädchen: Ein Kind bzw. eine Jugendliche, die sich als Mädchen fühlt und der bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde, weil ihre Genitalien als weiblich interpretiert wurden.

Cis-Mann: Ein erwachsener Mensch, die sich als Mann fühlt und dem bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde, weil seine Genitalien als männlich interpretiert wurden.

Cis-Sexismus:

  • Privilegierung von cis-geschlechtlichen Menschen gegenüber nicht cis-geschlechtlichen Menschen. Privilegierung von als cis-geschlechtlich konstruierten Eigenschaften/Verhaltensweisen/Geschmäckern etc. gegenüber als nicht cisgeschlechtlich konstruierten Eigenschaften/Verhaltensweisen/Geschmäckern.
  • Gewalt gegen und Abwertung bzw. Diskriminierung von nicht cis-geschlechtlich lebenden Menschen.
  • Auch Gewalt, Abwertung bzw. Diskriminierung gegenüber Körpern, Verhaltensweisen, Geschmäckern und Eigenschaften, die als nicht cis-geschlechtlich gelten. Abwertung/ Erschwerung von Kontakten auf Augenhöhe zwischen cis-geschlechtlichen und nicht cis-geschlechtlichen Menschen (z.B. wenn gemischten Freund*innenschaften mit Misstrauen begegnet wird oder z.B. trans* Menschen aus Bündnissen und/oder Räumen ausgeschlossen werden).
  • Dies bezieht sich in der Geschichte des Begriffs auf die Diskriminierung von trans* Menschen. Wir diskutieren im Team seit längerer Zeit, ob dies auch die Diskriminierung gegenüber Inter* umfasst, da Inter* (zumindest nach unserer Definition) nicht cis-geschlechtlich sein können, ob der Begriff also insgesamt Diskriminierungen entlang des Systems der Zweigeschlechtlichkeit meint. Die Gegenposition ist, dass sich Diskriminierungen gegenüber einerseits Trans* und andererseits Inter* dermaßen wesentlich unterscheiden, dass es dafür getrennte Worte braucht. Dann könnte z.B. unterschieden werden zwischen Cis-Sexismus (Hierarchisierung zwischen cis- und transgeschlechtlichen Menschen) einerseits und Inter*feindlichkeit oder Endo-Sexismus andererseits.

Coming-Out/Coming Out: Der Begriff bezeichnet den Prozess des Bewusstwerdens und des Anerkennens der eigenen sexuellen und romantischen Orientierung oder Geschlechtsidentität, z.T. wird er auch in anderen Kontexten wie z.B. Kink/BDSM verwendet. Es wird unterschieden zwischen innerem Coming-Out (Bewusstwerden) und äußerem Coming-Out bzw. Going Public (andere Personen informieren). V.a. das äußere Coming-Out ist ein lebenslanger Prozess.

Am Coming-Out zeigt sich Diskriminierung: Privilegierte rund um geschlechtliche und sexuelle Vielfalt (Ausnahme: Sexismus und Frauenfeindlichkeit funktionieren nach einer anderen Logik) können aufgrund von Normalitätsannahmen meist selbstverständlich davon ausgehen, entsprechend der eigenen Identität und sexuellen Orientierung etc. gelesen zu werden und können diese für sich selbst in der Regel leicht erkennen. Diskriminierung zeigt sich unter anderem darin, dass LSBTIQAP+ aufgrund von Normalitätsannahmen einerseits in Bezug auf ihre eigenen Auseinandersetzungen mit sich selbst Hürden vorfinden, und sich andererseits regelmäßig erklären und gute Zeitpunkte, Risiken und Vorteile etc. eines Coming-Out abwägen müssen.

Demisexuell/demiromantisch: Menschen, die sexuelles Begehren (demisexuell) oder romantische Anziehung (demiromantisch) nur für Menschen entwickeln, mit denen sie bereits eine Bindung aufgebaut haben. Vgl. auch allosexuell/alloromantisch, asexuell, amouröse Orientierung, amouröse Vielfalt, aromantisch, graysexuell/grayromantisch und sexuelle Orientierung.

Dysphorie (auch: Geschlechts-Dysphorie/Geschlechtsdysphorie): Dysphorie in Bezug auf Geschlecht meint ein Gefühl von Unwohlsein und Irritation.

  • Körperliche (Geschlechts-)Dysphorie: wenn die Geschlechtsidentität einer Person nicht zum eigenen Körper passt
  • Soziale (Geschlechts-)Dysphorie: wenn andere Menschen eine Person nicht entsprechend ihrer  Geschlechtsidentität behandeln bzw. diese nicht respektieren (z.B. in Bezug auf Namen, Pronomen oder Anreden).

Einvernehmen/Einvernehmlichkeit: vgl. Konsens.

Enby: englisch ausgesprochene Abkürzung (N.B.) für non-binary.

Endosexismus (von endo als Gegenpol zu inter*): (Noch) nicht weit verbreiteter Begriffsvorschlag, um die Privilegierung von nicht intergeschlechtlichen Menschen (Endos) und die Diskriminierung von Inter* zu beschreiben.

Femme: Der Begriff kommt aus lesbischen Kontexten. Er bezieht sich unter anderem auf stilistische Fragen und meint in der Regel ein Auftreten, das sich stärker weiblich konnotierter Stilmittel bedient. Femme kann auch eine Identität beschreiben, die entweder gleichzeitig mit einer anderen Geschlechtsidentität existiert (z.B. Femme und Frau) oder aber die primäre Identität einer Person ist. Femme wird häufig als Gegenpol zu Butch verwendet.

Fetischismus: vgl. BDSM.

Frau: Erwachsener Mensch mit weiblicher Geschlechtsidentität, umfasst trans*, Cis- und inter* Frauen.

Frauenfeindlichkeit: Diskriminierung, Abwertung und Gewalt gegenüber Frauen, auch: Misogynie (griechisch für Frauen-Hass).

Freundschaftszentrierte Lebensweisen: Lebensweisen, in denen Freund*innenschaften im Zentrum von Alltagsorganisation, Zukunftsplanung, Fürsorge etc. stehen. In Abgrenzung zu Lebensweisen, die entweder weitgehend autonom gestaltet oder um romantische Liebesbeziehungen herum organisiert sind.

Gender Expression: Vgl. geschlechtliche Vielfalt.

Genderfluid (= geschlechterflüssig): eine Geschlechtsidentität, die zwischen verschiedenen Geschlechtern wechselt. Das kann situativ sein, vom Kontext oder den anwesenden Personen abhängen oder über längere Phasen wechseln. Genderfluid ist eine Variante genderqueerer bzw. nicht-binärer Identifikation.

Genderqueer: Geschlechtsidentität, die weder eindeutig weiblich noch eindeutig männlich ist, sondern dazwischen oder jenseits von männlich/weiblich oder situativ bzw. phasenweise wechselnd empfunden werden kann. Genderqueer wird ebenso wie non-binary oft als Überbegriff für verschiedene Identifikationen jenseits der Zweigeschlechtlichkeit genutzt (zur Vertiefung: www.nonbinary.org).

Geschlecht: beinhaltet individuelle und gesellschaftliche Dimensionen von Selbstverortung, Identität, Vielfalt, Ungleichheit und Diskriminierung. Dabei können in je unterschiedlicher Form (mindestens) drei Ebenen von Bedeutung sein: Körper, Identität und Ausdruck (vgl. geschlechtliche Vielfalt).

Geschlechtliche Vielfalt: setzt sich aus mindestens drei Ebenen zusammen:

  • Körper (auch: Sex [englisch] oder Körpergeschlecht): Auf der körperlichen Ebene werden in dieser Gesellschaft verschiedene Merkmale mit Geschlecht in Zusammenhang gebracht, unter anderem Sexual-/Fortpflanzungsorgane, Chromosomen, Hormone, Form und Größe der Brust/Brüste, Körpergröße, Körperbehaarung, Stimmtiefe/-höhe, Gebärfähigkeit, Zeugungsfähigkeit, Orgasmus-, Erektions- und Ejakulationsfähigkeit. Dabei sind in einem Menschen verschiedene Kombinationen möglich. Diese werden gesellschaftlich oft nach biologistischen Kriterien als weiblich, männlich oder intergeschlechtlich kategorisiert. Das persönliche Empfinden des eigenen Körpers und damit des eigenen Körpergeschlechts kann aber von der gesellschaftlichen Einordnung abweichen. Es gibt also Menschen, die ihren eigenen Körper mit Vulva, Vagina und/oder Brüsten nicht als weiblich, sondern z.B. als agender, genderqueer oder männlich empfinden (und möglicherweise andere Bezeichnungen für die entsprechenden Körperteile wählen). Alle Kombinationen aus Körperlichkeit und Identität sind möglich.
  • Geschlechtsidentität (auch Gender, psychisches Geschlecht bzw. das Wissen über das eigene Geschlecht): Es gibt mehrere Möglichkeiten sich geschlechtlich zu identifizieren. Ein Mensch kann sich als Mann bzw. Junge oder als Frau bzw. Mädchen identifizieren. Darüber hinaus gibt es verschiedene Möglichkeiten einer Identifikation jenseits der Zweigeschlechtlichkeit, die oft seltener bekannt sind, u.a. genderqueer, non-binary, agender, genderfluid. Auch Butch, Femme oder Tunte  können Geschlechtsidentitäten sein (und/oder Beschreibungen von Geschlechtsausdrucksweisen, siehe unten), die entweder die Hauptgeschlechtsidentität eines Menschen darstellen oder in Kombination mit anderen der genannten Geschlechtsidentitäten funktionieren. Identitäten sind in der Regel tief in Menschen eingeschrieben, sie sind nicht zu verwechseln mit Vorlieben, Styles, Willensentscheidungen oder gar Mode-Erscheinungen.
  • Ausdruck (auch Geschlechtsausdruck oder Gender Expression): Der Begriff beschreibt verschiedene Ausdrucksformen, die für manche Menschen ihre Geschlechtsidentität ausdrücken und für andere gar nichts mit ihrem Geschlecht zu tun haben, aber oft damit in Zusammenhang gebracht werden. Dies betrifft u.a. Kleidungsstücke und -stile, Körper- und Haarstyling, Farbpräferenzen, Geschmäcker u.a. in Bezug auf Literatur und Medien, Emotionen und ihren Ausdruck, Sozialverhalten, Hobbies, Interessen und Kompetenzen, Sexualität, Erotik und Intimität. Auch hier haben wir es mit einer großen Vielfalt zu tun.

Aus einer Vielfaltsperspektive wird sichtbar, dass diverse Kombinationen dieser drei Ebenen möglich sind und gleichberechtigt nebeneinander stehen sollten. Gesellschaftlich wird oft Kohärenz/Übereinstimmung zwischen den Ebenen Körper, Identität und Ausdruck als entweder ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘ erwartet und alle Menschen mit Diskriminierung belegt, die dem nicht entsprechen (vgl. Heterosexuelle Matrix).

Die Begriffe Trans* und Cis siedeln wir zwischen Körpergeschlecht und Geschlechtsidentität an, weil es hier um das Verhältnis zwischen Geschlechtsidentität und geschlechtlicher Zuweisung aufgrund der Interpretation des Körpers bei der Geburt geht. Aus einer Vielfaltsperspektive sind alle Menschen, die sich weiblich identifizieren, Mädchen bzw. Frauen, und alle Menschen, die sich als männlich identifizieren, Jungen bzw. Männer – die Unterscheidung zwischen cis und trans* ist aus einer Vielfaltsperspektive fast immer unnötig (Ausnahme u.a., wenn es um Diskriminierungswiderfahrnisse geht), außer sie ist für den einzelnen Menschen von Bedeutung.

Geschlechtsausdruck/Geschlechts-Ausdruck: vgl. geschlechtliche Vielfalt.

Geschlechts-Dysphorie/Geschlechtsdysphorie: vgl. Dysphorie.

Geschlechtsidentität/Geschlechts-Identität: vgl. geschlechtliche Vielfalt.

Graysexuell/grayromantisch: Verortung relativ mittig im Spektrum zwischen asexuellund allosexuell (graysexuell) bzw. zwischen aromantisch und alloromantisch (grayromantisch). Vgl. auch amouröse Orientierung, amouröse Vielfalt, aromantisch, demisexuell/demiromantisch, graysexuell/grayromantisch und sexuelle Orientierung.

Gynoromantisch: Sich romantisch zu Frauen hingezogen fühlen – unabhängig vom eigenen Geschlecht.

Heteroflexibel: Menschen, die meistens oder vorrangig heterosexuell/-romantisch begehren, aber nicht ausschließlich. Dabei kann es darum gehen, dass die Person sich meistens zum anderen der beiden akzeptierten Geschlechter hingezogen fühlt, aber gelegentlich auch zum eigenen oder einem weiteren Geschlecht, dass sie bei dem eigenen Geschlecht noch nicht weiß, ob die Anziehung ernster werden könnte, oder dass sich die Anziehung für das eigene Geschlecht bspw. nur auf die sexuelle Ebene bezieht etc. Die Abgrenzung zu Bi-/Pansexualität ist fließend und nur von der Person selbst vorzunehmen.

Heteronormativität: Kultur und Struktur, die davon ausgeht, es sei ‚normal‘ und wünschenswert, sich gemäß biologisch definierter körperlicher Merkmale zweifelsfrei einem von zwei Geschlechtern (männlich/weiblich) zuzuordnen und das jeweils andere der beiden Geschlechter zu begehren, mit ihm Liebesbeziehungen und Sexualität zu leben und langfristig Kinder zu zeugen und in einer Familie zusammenzuleben. Diese Normativität wird damit begründet, der Sinn von Geschlecht und Sexualität sei die biologische Fortpflanzung. Allen, die nicht in diese Schablonen passen, widerfährt in einer heteronormativen Gesellschaft Diskriminierung.

Heterosexismus/Hetero-Sexismus:

  • Privilegierung von Heterosexuellen gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Pansexuellen, Queers, Asexuellen und anderen nicht heterosexuellen Menschen. Privilegierung von als heterosexuell konstruierten Eigenschaften/Verhaltensweisen/Geschmäckern etc. gegenüber als nicht heterosexuell konstruierten Eigenschaften/Verhaltensweisen/Geschmäckern.
  • Gewalt gegen und Abwertung bzw. Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Pansexuellen, Queers, Asexuellen und anderen Menschen, die nicht heterosexuell leben.
  • Auch: Gewalt, Abwertung und Diskriminierung gegenüber Menschen mit Verhaltensweisen, Geschmäckern und Eigenschaften, die als nicht heterosexuell gelten. Abwertung/Erschwerung von Kontakten auf Augenhöhe zwischen heterosexuellen und nicht heterosexuellen Menschen (z.B. wenn gleichgeschlechtlichen Freund*innenschaften zwischen Menschen verschiedener sexueller Orientierungen mit Misstrauen begegnet wird).

Heterosexuelle Matrix: von Judith Butler geprägter Begriff. In unserer Interpretation/Weiterentwicklung meint er die Normalitätsannahme und den Druck auf Menschen, sich einerseits klar auf einer Seite der Zweigeschlechtlichkeit zu bewegen, also in Bezug auf Körper, Geschlechtsidentität und Ausdruck klar und kohärent dem zu entsprechen, was gesellschaftlich als männlich gilt oder dem, was als weiblich gilt (nicht aber beides gemischt). Und dann ebenso klar das jeweils andere der zwei akzeptierten Geschlechter zu begehren, mit ihm Sex zu haben, Kinder zu zeugen und eine Familie im traditionellen Sinne zu gründen. Innerhalb der heterosexuellen Matrix soll auf den ersten Blick erkennbar sein, welches Geschlecht (in Kohärenz der verschiedenen Ebenen) und welche sexuelle Orientierung ein Mensch hat – das Herstellen von Eindeutigkeit und Erkennbarkeit (Intelligibilität) sind notwendig für nicht-diskriminierende Interaktionen auf Augenhöhe.

Heterosexualität/Hetero-Romantik: sexuelle bzw. romantische Orientierung, die sich im Rahmen der Zweigeschlechtlichkeit auf Personen des anderen Geschlechts richtet. Heterosexualität ist historisch ein Gegenbegriff zu Homosexualität.

Homofeindlichkeit: Gewalt gegen, Abwertung und Diskriminierung von homosexuellen Menschen und Verhaltensweisen, die als homosexuell konnotiert sind. Homofeindlichkeit kann sich gegen Schwule oder Lesben richten, aber auch gegen Menschen, denen fälschlich zugeschrieben wird, schwul oder lesbisch zu sein. Andere Begriffe: Homophobie, homofeindliche Diskriminierung.

Homoflexibel: Menschen, die meistens oder vorrangig homosexuell/-romantisch begehren, aber nicht ausschließlich. Dabei kann es darum gehen, dass die Person sich meistens zum eigenen, aber gelegentlich auch zu einem anderen Geschlecht hingezogen fühlt, dass sie bei dem anderen Geschlecht noch nicht weiß, ob die Anziehung ernster werden könnte, oder dass sich die Anziehung für ein anderes Geschlecht bspw. nur auf die sexuelle Ebene bezieht etc. Die Abgrenzung zu Bi-/Pansexualität ist fließend und nur von der Person selbst vorzunehmen.

Homosexualität/Homo-Romantik: beschreibt eine sexuelle bzw. amouröse Orientierung, die sich auf Personen des eigenen Geschlechts richtet (vgl. lesbisch und schwul). Historisch ein Gegenbegriff zu Heterosexualität. Manche Lesben und Schwule lehnen den Begriff ‚homosexuell‘ ab, weil er sich ihnen entweder zu sehr auf Sexualität bezieht und ihnen dabei Fragen von Liebe, Bindung, Familie oder Menschenrechten untergehen, weil er lesbische und schwule Realitäten zusammenfasst, die sie als sehr unterschiedlich empfinden, weil er klinisch klingt und/oder weil er aus einer Geschichte der Pathologisierung stammt.

Inter*, intergeschlechtlich, intersexuell: Menschen, deren chromosomales/genetisches und/oder hormonelles und/oder gonadales und/oder genitales Geschlecht nicht eindeutig dem entspricht, was in Gesellschaft und Wissenschaft zu einem gegebenen Zeitpunkt als körperlich weiblich bzw. männlich gilt, sondern die sowohl körperlich als männlich als auch als weiblich kontruierte Merkmale vereinen. Inter* können alle oben genannten Geschlechtsidentitäten haben und/oder sich zusätzlich oder ausschließlich als Inter* (oder andere inter*-spezifische Identitäten) identifizieren. Weitere Infos unter: https://oiigermany.org/.

Inter*feindlichkeit: Gewalt (oft medizinisch) gegen und Abwertung sowie Diskriminierung von Inter*.

Intersektionalität: Der Begriff kommt aus englischsprachigen feministischen und antirassistischen Diskussionen (englisch: to intersect – [über]schneiden, [über]kreuzen, zusammenlaufen, überlagern) und wurde eingeführt von Kimberlé Crenshaw. Intersektionale Ungleichheitsforschung befasst sich mit der Frage, wie sich unterschiedliche soziale Kategorien wie Geschlecht, soziale Klasse und Ethnizität/Hautfarbe/Migration etc., aber auch sexuelle Orientierung, Nationalität, Alter, Religion, Region, Behinderung etc. auf gesellschaftliche Benachteiligungen oder Privilegierungen auswirken. Dabei werden die jeweiligen Kategorien, die sich je nach konkretem Kontext gegenseitig beeinflussen, nicht nebeneinander, sondern als miteinander verwoben gesehen. So können sich verschiedene soziale Differenzen je nach Kontext verstärken oder abschwächen. Weitere Infos unter: http://dissens.de/isgp/ oder http://portal-intersektionalitaet.de 

Junge: Kind bzw. Jugendlicher mit männlicher Geschlechtsidentität, umfasst trans*, Cis- und inter* Jungen.

Kink/kinky: vgl. BDSM

Klassismus: Ungleichheitsverhältnis bzw. Diskriminierungsform, die Menschen aufgrund ihres ökonomischen oder Bildungsstatus bzw. ihrer ökonomischen oder Bildungsherkunft benachteiligt. Weitere Infos unter: http://clararosa.blogsport.de/ oder https://andreaskemper.wordpress.com/.

Ko-Eltern-Familie: Familienmodell, in dem sich Menschen dazu entscheiden, zusammen Eltern zu werden/sein, die nicht (alle) durch eine Liebesbeziehung verbunden sind oder waren.

Konsens/konsensuell (auch Einvernehmlichkeit / einvernehmlich / Zustimmungsprinzip): unterscheidet unter anderem Sex von sexualisierter Gewalt. Im Kontext von Sexualität bedeutet Konsens, dass alle Beteiligten einer sexuellen Handlung sich frei für diese entschieden haben und sie jederzeit abbrechen können (Widerrufbarkeit von Konsens). Vorbedingung von Konsens ist die Einwilligungsfähigkeit aller Beteiligten. Diese liegt beispielsweise bei Kindern gegenüber Erwachsenen (Abhängigkeits- und Machtgefälle) oder bei bewusstlosen Menschen nicht vor und kann u.a. von Abhängigkeitsverhältnissen, Alkohol und anderen Drogen etc. beeinträchtigt sein. Pädagogisch lohnt eine Beschäftigung mit verschiedenen Optionen, Konsens herzustellen, sich über Konsens zu vergewissern und ihn zu entziehen.

Körpergeschlecht: vgl. geschlechtliche Vielfalt.

Lesbisch: Frauen, die sich zu Frauen und Mädchen, die sich zu Mädchen sexuell oder romantisch hingezogen fühlen. Manchmal bezeichnen sich aber auch andere Menschen lesbisch, die das als den passendsten Ausdruck für ihre Identität empfinden, z.B. Genderqueers, die sich zu Frauen oder genderqueeren Menschen hingezogen fühlen.

LSBTIQAP+/LGBTIQAP+/LSBTQIAP+/LGBTQIAP+: lesbisch, schwul (oder englisch: gay), bisexuell/biromantisch, trans*, queer, inter*, asexuell, aromantisch, pansexuell/panromantisch. Auch: LSBTIQ (ohne asexuell, aromantisch und pan*), LSBT/LGBT (minus inter* und queer), LSBTTIQA/LGBTTIQA (Differenzierung zwischen transsexuell und transgender, vgl. Begriffsdiskussion unter Trans*, Ergänzung um asexuell und/oder aromantisch). Viele weitere Varianten bzw. Kombinationen. Das ‚+‘ am Ende soll deutlich machen, dass es noch viele weitere nicht heteronormative Lebensweisen gibt, die nicht in die jeweilige Buchstabenkombination einfließen können. Der ‚*‘ soll gelegentlich hinter einzelnen Buchstaben (zum Beispiel LSBT*I*Q) deutlich machen, dass das entsprechende Wort unterschiedlich enden kann (z.B. transgeschlechtlich, transsexuell etc.) oder dass die Grenzen zwischen den Kategorien fließend sind. Wenn die Buchstabenreihe als Adjektiv gemeint ist (lesbisch, schwul etc.), dann wird sie klein geschrieben, z.B. lsbtiqap+.

Mädchen: Kind bzw. Jugendliche mit weiblicher Geschlechtsidentität, umfasst trans*, Cis- und inter* Mädchen.

Mann: Erwachsener Mensch mit männlicher Geschlechtsidentität, umfasst trans*, Cis- und inter* Männer.

Monogamie: Eine Lebensweise, in der romantische und sexuelle Beziehungen nur mit einer Person auf einmal gelebt werden können. Sexualität mit oder Verliebtheit gegenüber anderen Menschen bedroht die monogame Beziehung und gilt, wenn ausgelebt, als Untreue oder Fremdgehen. Genau genommen ist Monogamie lebenslang ausgerichtet, vgl. auch serielle Monogamie.

Mono-Normativität: Die Norm, monogam zu leben. Die Diskriminierung von Menschen, die polyamor, in offener Beziehung und/oder promisk leben.

Monosexismus:

  • Privilegierung von monosexuellen/-romantischen Menschen, also Menschen, die sich nur zu Menschen eines Geschlechts hingezogen fühlen (heterosexuelle/-romantische Menschen, Schwule und Lesben) gegenüber bisexuellen/-romantischen, pansexuellen/-romantischen und anderen Menschen, die sich zu Menschen mehrerer Geschlechter hingezogen fühlen. Privilegierung von als monosexuell/-romantisch konstruierten Eigenschaften/Verhaltensweisen/ Geschmäckern etc. gegenüber als nicht monosexuell/-romantisch konstruierten Eigenschaften/ Verhaltensweisen/Geschmäckern.
  • Gewalt gegen und Abwertung bzw. Diskriminierung von bisexuellen/-romantischen, pansexuellen/-romantischen und anderen Menschen, die sich zu Menschen mehrerer Geschlechter hingezogen fühlen.
  • Auch: Gewalt, Abwertung und Diskriminierung gegenüber Menschen mit Verhaltensweisen, Geschmäckern und Eigenschaften, die als nicht monosexuell/-romantisch gelten. Abwertung/ Erschwerung von Kontakten auf Augenhöhe zwischen monosexuellen/-romantischen und nicht monosexuellen/-romantischen Menschen (z.B. wenn Freund*innenschaften zwischen monosexuellen/-romantischen und bi- oder pansexuellen/-romantischen Menschen mit Misstrauen begegnet wird oder bi- bzw. pansexuelle/-romantische Menschen aus Bündnissen und/oder Räumen ausgeschlossen werden).

Nicht-binär: vgl. non-binary.

Non-binary: Geschlechtsidentität jenseits der binären Ordnung von männlich oder weiblich, zum Beispiel dazwischen oder jenseits von männlich oder weiblich. Non-binary wird ebenso wie genderqueer oft als Überbegriff verschiedener nicht-binärer Identifikationen genutzt (zur Vertiefung: www.nonbinary.org).

Offene Beziehung: meint meist eine Liebesbeziehung, in der ein Paar sich gegenseitig die Priorität gibt, aber auch Sex oder Liebschaften mit anderen Menschen erlaubt sind (in Abgrenzung zu Fremdgehen oder Untreue). Die Übergänge und Grenzziehungen zwischen offenen Beziehungen und Polyamorie/Polyamory sind fließend, zumal die letzteren Begriffe erst in den letzten Jahren zunehmend verwendet werden und es daher auch zum Teil Generationen-Unterschiede gibt.

Pansexuell/panromantisch: Sexuelle bzw. amouröse Orientierung, die sich auf Menschen aller Geschlechter richtet bzw. andere Merkmale als das Geschlecht des Gegenübers für die Anziehung entscheidend findet. Die Abgrenzung von bisexuell/bi-romantisch ist fließend und wird je selbst definiert. Begriffsdiskussion: Manche Menschen bevorzugen den Begriff ‚pan‘, weil er ‚übergreifend‘ meint, während ‚bi‘ sich ethymologisch auf ‚zwei‘ bezieht. Vgl. auch Bisexualität/-Romantik.

Polyamorie/Polyamory: Lebensweise, in der Menschen mit einander absprechen (also nicht: Fremdgehen oder Untreue), mit mehreren Menschen gleichzeitig verbindliche Liebes- und oder Sex-Beziehungen einzugehen/eingehen zu dürfen. Adjektiv: polyamor oder polyamourös. Es gibt verschiedene mögliche Arrangements, u.a. zu dritt/viert/xt monogam sein, Primärbeziehung(en) und Sekundärbeziehungen, mehrere voneinander unabhängige gleichberechtigte Liebesbeziehungen, Beziehungs-Anarchie (jede Beziehung inkl. Freund*innenschaft sich organisch entwickeln lassen, ohne sie per Label festzuschreiben) etc.

Polysexuell/polyromantisch: Menschen, die sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen, aber nicht notwendigerweise zu allen Geschlechtern. Pansexuelle sind polysexuell, aber nicht alle Polysexuellen sind pansexuell, sondern können sich z.B. auch nur zu Frauen und genderqueers hingezogen fühlen.

Promiskuität: Mit häufig wechselnden Menschen Sex haben. Adjektiv: promisk.

Queer: Ursprünglich und auch heute noch ein englischsprachiges Schimpfwort (schräg, falsch, komisch etc.) für alle, die nicht heterosexuell sind und/oder nicht in zweigeschlechtliche Normen passen. Der Begriff wurde während der AIDS-Krise der 1980er Jahre als Selbstbeschreibung und Bündnisbegriff jenseits getrennter Identitätspolitiken (v.a. separate Schwulen- und Lesben-Bewegungen) angeeignet. Er wird zum Teil als Sammelbeschreibung für alle verwendet, die nicht in heteronormative Ordnungen passen, zum Teil spezifischer für Menschen, die identitäre Zuweisungen kritisieren und sich aktiv gegen heteronormative Normierungen einsetzen.

Begriffsdebatte: Manche Menschen lehnen die Bezeichnung für sich ab, weil sie das aus einem Gewaltkontext stammende Schimpfwort nicht aneignen wollen. Andere entscheiden sich dagegen, weil sie mit ihren beispielsweise lesbischen oder schwulen Identitäten sichtbar sein wollen und Sammelbeschreibungen kontraproduktiv finden.  Eine weitere Kritik ist, dass die Etablierung eines im deutschsprachigen Raum nicht negativ konnotierten ‚coolen‘ englischsprachigen Begriffs die positive Aneignung von Wörtern, die im Deutschen häufig abfällig benutzt werden (u.a. schwul oder lesbisch), wieder zurückdrehen könnte – dies wird, gerade von älteren Generationen, die viel erkämpft haben, zum Teil auch als Entsolidarisierung mit einer wert- und kraftvollen Bewegungsgeschichte empfunden. Zum Teil lehnen Menschen den Begriff aber auch ab, weil sie möglichst viel Normalität erreichen wollen und die Radikalität queerer Kritik an Identitätspolitiken, binären Unterscheidungen oder eher traditionellen Lebensweisen (z.B. Fokus auf Ehe) nicht teilen.

Questioning: Der eigenen Identität oder Lebensweise (meistens: Geschlechtsidentität, romantischen oder sexuellen Orientierung) mit einer offenen Frage gegenüberstehen, entweder als Teil einer vorübergehenden und auf Klärung ausgerichteten Findungs-/Experimentierphase oder als grundsätzliche Haltung.

Regenbogenfamilie: Familienmodelle, in denen Elternteile nicht heteronormativ leben.

Romantische Orientierung: Der Begriff stammt aus den Debatten bzw. Entwicklungen rund um Asexualität und entspricht in etwa dem, was wir als amouröse Orientierung beschreiben.

Sadomasochismus: vgl. BDSM.

Schwul: Männer, die sich sexuell und/oder romantisch zu anderen Männern hingezogen fühlen, Jungen, die sich sexuell und/oder romantisch zu anderen Jungen hingezogen fühlen. Manchmal bezeichnen sich aber auch andere Menschen als schwul, die das als den passendsten Ausdruck für ihre Identität empfinden, z.B. trans* Männer, die sich zu Frauen oder genderqueeren Menschen hingezogen fühlen, aber z.B. heterosexuell nicht als den passenden Ausdruck für sich empfinden (es gibt aber auch viele trans* Menschen, die sich in einer solchen Konstellation als heterosexuell beschreiben).

Serielle Monogamie: Lebensweise, in der romantische und sexuelle Beziehungen nur mit einer Person auf einmal gelebt werden können. Wenn ein Teil des Paares sich verliebt oder eine andere Person sexuell begehrt, bedroht das die Beziehung. Wenn ein Teil des Paares Sex mit einer anderen Person hat oder eine Liebesbeziehung mit ihr beginnt, gilt das als Untreue bzw. Fremd-Gehen. ‚Seriell‘ meint, dass über das Leben hinweg eine monogame Beziehung auf die nächste folgt.

Sex (im englischsprachigen Sinne von Geschlecht): vgl. geschlechtliche Vielfalt.

Sexismus:

  • Privilegierung von Männern/Jungen gegenüber Frauen/Mädchen bzw. von als männlich konstruierten Eigenschaften/Verhaltensweisen/Geschmäckern/Berufen etc. gegenüber als weiblich konstruierten Eigenschaften/Verhaltensweisen/Geschmäckern/Berufen etc.
  • Gewalt gegen und Abwertung bzw. Diskriminierung von Frauen/Mädchen.
  • Gewalt, Abwertung bzw. Diskriminierung gegenüber Verhaltensweisen, Geschmäckern und Eigenschaften, die als weiblich gelten (auch oder sogar verstärkt, wenn diese von Menschen anderer Geschlechter gelebt werden). Auch Abwertung/Erschwerung von Kontakten auf Augenhöhe zwischen Jungen/Männern und Mädchen/Frauen (z.B. die Annahme Freund*innenschaften zwischen Männern und Frauen seien nicht möglich oder immer sexuell, Abwertung von z.B. Jungen, die Freund*innenschaften mit Mädchen haben etc.).
  • Sexismus ist verankert in einer langen Geschichte patriarchaler Ordnung und verschränkt mit unter anderem ökonomischer Ungleichheit und einer durch die jahrhundertelange rechtliche Diskriminierung von Frauen geprägte Kultur. Feindliche Einstellungen gegenüber Männern bzw. Jungen, die nicht auf einer sexistischen Abwertung als ‚unmännlich‘ empfundener Eigenschaften oder Verhaltensweisen basieren, funktionieren anders und bedürfen einer Benennung, die entsprechende Spezifika fasst und nicht mit Sexismus gleichsetzt.

Sexuelle Orientierung:

  • Drückt im allgemeinen Sprachgebrauch meist aus, zu welchen Geschlechtern ein Mensch sich sexuell und/oder romantisch hingezogen fühlt (z.B. schwul, lesbisch, queer, heterosexuell, homosexuell, pansexuell, bisexuell etc.). Dazu kommt die Frage der An-/Abwesenheit von sexueller bzw. romantischer Anziehung (vgl. asexuell, aromantisch, allosexuell/romantisch, z-sexuell/romantisch, demisexuell/-romantisch, graysexuell/-romantisch).
  • Im asexuellen Aktivismus wurde ein Differenzierungsangebot entwickelt zwischen sexueller und romantischer Orientierung. In diesem Kontext beschreibt die sexuelle Orientierung, auf welche Geschlechter sich das sexuelle Begehren eines Menschen richtet (z.B. heterosexuell, homosexuell, pansexuell, bisexuell etc.) oder auch, dass kein solches Begehren vorhanden ist (asexuell) – in Abgrenzung zur romantischen Orientierung. Dieses Differenzierungsangebot wird zum Teil auch gerne von Menschen genutzt, die beispielsweise heterosexuell und panromantisch sind, also sich sexuell nur zu Menschen des anderen der zwei anerkannten Geschlechter hingezogen fühlen, sich aber in Menschen aller Geschlechter verlieben. Die Begriffe lesbisch, schwul und queer differenzieren nicht zwischen sexueller und amouröser/romantischer Orientierung. Ob Menschen zwischen sexueller und romantischer Orientierung unterscheiden oder sexuelle Orientierung als Oberbegriff für alles verwenden, sollte ihnen selbst überlassen bleiben. Keinesfalls sollte diese Unterscheidung als Diagnose-Werkzeug genutzt werden oder Offenbarungs-Druck erzeugen.

Sexuelle Vielfalt: drückt aus, dass sich sexuelles Begehren auf verschiedene Geschlechter richten kann (z.B. heterosexuell, homosexuell, bisexuell, pansexuell, queer etc.) bzw. mit verschiedenen Geschlechtern sexuelle Praxen gelebt werden können. Wenn nicht zwischen einerseits sexueller und andererseits amouröser Vielfalt differenziert wird (vgl. sexuelle Orientierung), dann umfasst der Begriff auch die unter amouröser bzw. romantischer Orientierung genannten Aspekte. Diese Differenzierung ist eine neue Entwicklung aus asexuellen Kreisen. Meist werden daher unter dem Begriff sexuelle Vielfalt alle sexuellen, romantischen bzw. amourösen Aspekte gemeint.

Des Weiteren können in einem erweiterten Verständnis je nach Kontext folgende Aspekte unter sexuelle Vielfalt gefasst werden: Sexuelles Begehren oder nicht (Allosexualität, Demisexualität, Graysexualität, Asexualität), Solo-Sex oder Sex mit anderen, Sex in Partnerschaften und/oder außerhalb von Partnerschaften, Sex mit einer oder mit mehreren Personen, BDSM bzw. Vanilla, andere Fragen sexueller Präferenzen und/oder Praxen.

Welche dieser Aspekte besprochen werden können, variiert je nach Zielgruppe. Alle Inhalte sollten nur in zielgruppengerechter Form bearbeitet werden! Zunächst kommt der Begriff aus den Kämpfen von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Pansexuellen und Queers (später erweitert um die Kämpfe von Asexuellen) und sollte die Kämpfe um deren Rechte priorisieren.

Klar zu trennen ist zwischen einvernehmlichem Sex (Konsens) und sexualisierter Gewalt, also sexuellen Handlungen, die ohne Einvernehmen bzw. mit einer nicht konsensfähigen Person (z.B. Kindern gegenüber Erwachsenen aufgrund von Macht- und Abhängigkeitsgefällen) stattfinden. Sexualisierte Gewalt klammern wir aus dem Begriff der sexuellen Vielfalt aus. Sexuelle Vielfalt beinhaltet in unserer Definition ausschließlich Präferenzen und Praxen rund um Sexualität, die einvernehmlich mit einer zustimmungsfähigen Person verwirklicht werden können.

SM: vgl. BDSM.

Trans*, transgender, transgeschlechtlich, transident, transsexuell: Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt meist aufgrund der Interpretation ihrer Genitalien zugewiesen wurde. Wir verwenden trans* (entlehnt aus den Bibliothekswissenschaften, wo durch ein Sternchen am Ende des Wortstamms alle Begriffe gesucht werden, die mit diesem Wortstamm beginnen) als Überbegriff für alle genannten Begriffe.

Manche trans* Menschen empfinden ihren Körper als falsch (körperliche Geschlechts-Dysphorie) und streben eine (teilweise oder umfänglichere) körperliche Angleichung an. Andere trans* Menschen empfinden ihren Körper als richtig und haben vor allem Probleme damit, wie gesellschaftlich von ihrem Körper auf ihr Geschlecht geschlossen wird (soziale Geschlechts-Dysphorie). Manche streben deshalb körperliche Angleichungen an, andere nicht.

Auch Inter* können trans* sein, wenn sie eine andere Geschlechtsidentität haben, als die, die ihnen durch Eltern und/oder Medizin etc. zugewiesen wurde.

Begriffsdebatte: Die Verwendung der Begriffe ist umstritten. Es gibt Menschen bzw. Gruppen, die sich als transsexuell bezeichnen und sich deutlich von jeglicher Sammelbeschreibung mit anderen Formen, trans* zu sein, abgrenzen. Sie empfinden die Bezeichnung ‚trans*‘ für sich als diskriminierend. Dabei gibt es keine einheitlich akzeptierte Abgrenzung der Begriffe. Tendenziell wird in Community-Kontexten jedoch der Begriff ‚transsexuell‘ eher für Menschen verwendet, die eine operative Angleichung des Körpers anstreben oder umgesetzt haben. Mindestens eine Fraktion, die alle anderen Beschreibungen jenseits von transsexuell für sich ablehnt, beschreibt Transsexualität als körperliches Phänomen einer Nicht-Übereinstimmung von Gehirn und anderen Körperteilen und lehnt Kategorien wie ‚Geschlechtsidentität‘ strikt ab.

Andere lehnen den Begriff ‚Transsexualität‘ prinzipiell als pathologisierend ab, da der Begriff in den diagnostischen Manuals zur Diagnose von psychischen Störung genutzt wird. Die weiteren Begriffe (trans*, transgender etc.) verfolgen zum einen die Abgrenzung vom Sexualitätsbegriff, der im Deutschen das Missverständnis nahelegen kann, Trans*-Sein habe in irgendeiner Form mit sexuellem Begehren bzw. sexueller Orientierung zu tun (hat es nicht!). Zum anderen legen manche Menschen, die die Begriffe Trans*, transgender, transgeschlechtlich oder transident bevorzugen, einen stärkeren Fokus auf die gesellschaftliche Konstruiertheit von Geschlecht. Aber auch dies ist nicht einheitlich.

Trans* können verschiedene Geschlechtsidentitäten leben, vgl. trans* Junge, trans* Mann, trans* Frau, trans* Mädchen, non-binary, weder-noch, genderqueer, agender und genderfluid.

Eine weitere Kritik an der Verwendung des ‚Trans‘-Begriffs bezieht sich auf die Frage, inwiefern die Unterscheidung zwischen trans* und cis per se diskriminierend ist. Es gilt sorgsam zu erwägen, wann eine solche Unterscheidung notwendig ist (z.B. zur Benennung von Diskriminierung) und wann sie diskriminierend ist und ohne Differenzierung von Männern, Frauen, Jungen, Mädchen und genderqueers etc. gesprochen werden sollte.

Trans*feindlichkeit: Gewalt gegen, Abwertung und Diskriminierung von trans* Menschen. Trans*feindlichkeit kann sich gegen reale trans* Menschen richten oder gegen Menschen und Verhaltensweisen, die als trans* gelesen werden. Andere Begriffe: Trans*phobie, trans*feindliche Diskriminierung.

Trans* Frau, Transfrau bzw. Trans-Frau: Erwachsene Person mit weiblicher Geschlechtsidentität, der bei Geburt eine männliche Geschlechtsidentität zugewiesen wurde, oft auf Grundlage der Interpretation ihrer Genitalien.

Trans* Junge, Transjunge bzw. Trans-Junge: Kind bzw. Jugendlicher mit männlicher Geschlechtsidentität, dem bei Geburt eine weibliche Geschlechtsidentität zugewiesen wurde, oft auf Grundlage der Interpretation seiner Genitalien.

Trans* Mädchen, Transmädchen bzw. Trans-Mädchen: Kind bzw. Jugendliche mit weiblicher Geschlechtsidentität, der bei Geburt eine männliche Geschlechtsidentität zugewiesen wurde, oft auf Grundlage der Interpretation ihrer Genitalien.

Trans* Mann, Transmann bzw. Trans-Mann: Erwachsener Mensch mit männlicher Geschlechtsidentität, dem bei Geburt eine weibliche Geschlechtsidentität zugewiesen wurde, oft auf Grundlage der Interpretation seiner Genitalien.

Tunte: Der Begriff bezeichnet oft in abwertender Weise Schwule insgesamt. Er wird darüber hinaus (auch innerhalb schwuler Szenen) abwertend genutzt, um Schwule oder allgemein als Männer gelesene Menschen zu bezeichnen, die sich weiblich konnotierter Stilmittel bedienen. Einige politische schwule Kontexte haben den Begriff empowernd angeeignet zur Abgrenzung von traditionellen Männlichkeitsnormen im heterosexuellen Kontext und in schwulen Szenen. In diesem Rahmen kann er einerseits eine Inszenierung/Verhaltensweise und andererseits auch eine Identität beschreiben, die entweder gleichzeitig mit einer anderen Geschlechtsidentität existiert (z.B. Tunte und Mann) oder aber auch als primäre Identität. Wegen des abwertenden Kontexts sollte 'Tunte' nicht als Fremdbezeichnung eingesetzt werden.

Vanilla: Gegenbegriff zu BDSM/Kink, abgeleitet von der Tatsache, dass offenbar die beliebteste Eissorte Vanille ist. Vanilla ist der Begriff, der die sexuellen Vorlieben der Mehrheit beschreiben soll, bzw. in Abgrenzung zu BDSM (Vorlieben für) Sex, der nicht (oder nicht konsensuell) mit Restriktion, Machtgefälle, Lustschmerz oder anderen kinky Praxen spielt. Der Begriff ist eine Alternative zu auch verwendeten und häufig weniger gleichwertig empfundenen oder gemeinten Begriffen wie stino (stinknormal) oder 0815. Alternativ auch: Blümchen-Sex.

Weder-Noch: Neuere deutschsprachige Alternative zu genderqueer bzw. non-binary.

Z-sexuell/zsexuell/z-romantisch/zromantisch: Neuerer Begriff alternativ zu allosexuell/ alloromantisch für den Gegenpol zu asexuell/aromantisch, entlang der Buchstaben A und Z des Alphabets als zwei Enden eines Spektrums. Begriffsdebatte: Eine Kritik an den Allo-Begriffen bezieht sich darauf, dass diese im klinischen Bereich als Gegenpol zu ‚autosexuell‘ verwendet werden. Eine andere Kritik hat mit der Assoziation mit Dinosauriern (Allosaurus) zu tun.

Zustimmungsprinzip: vgl. Konsens.

Zweigeschlechtlichkeit (auch Kultur/System der Zweigeschlechtlichkeit): Kultur, die nur zwei Geschlechter als ‚normal‘, ‚gesund‘, ‚natürlich‘ oder ‚wünschenswert‘ anerkennt und andere diskriminiert, verbesondert, exotisiert, pathologisiert, ihnen mit Gewalt begegnet bzw. sie zu verhindern und/oder vernichten sucht (vgl. Inter*feindlichkeit, Trans*feindlichkeit, Cis-Sexismus, Endo-Sexismus).

Zuletzt aktualisiert am 22.10.2019